Langsame Fahrt auf zwei Rädern auf dem Pilgerweg

Man nehme Fahrräder, drei fröhliche Frauen, tiefe Wälder und einen regenverhangenen Tag im Mai und mache sich auf in Richtung Pilgerweg.
Was bekommt man? Eine besondere Fahrradtour.

Geschrieben von Øyvind Wold 14.04.2015 <p>Øyvind</p> <p>Wold</p>

Als begeisterter Lang- und Queerfeldein-Radfahrer hab ich mich schon auf vielen seltsamen und abgeschiedenen Wegen und Pfaden in Norwegen herumgetrieben, aber es wäre mir nie eingefallen, dass der Pilgerweg auch mit dem Fahrrad befahrbar ist. Als ich auf eine Test-Tour eingeladen wurde, konnte ich nach einem kurzen Blick auf die Karte einfach nicht mehr nein sagen. Das sah aus als könnte es eine spannende Expedition in die Wildnis werden.

Einfacher Start in Eidsvoll

Wir starteten optimistisch auf zwei Rädern in Eidsvoll. Unser Ziel war im Laufe des Tages Tangen, in der Hedmark, zu erreichen. Die Tour beginnt mit einem langen, aber leichten Anstieg und wir sind schnell am Fv.117 in Richtung Norden unterwegs. Der Asphalt eignet sich gut zum Radeln, es ist sicher etwas langweilig hier zu Fuß zu gehen, dafür aber umso einfacher zu radeln. Nach nur wenigen Kilometern zeigen uns die kleinen, gelben Pfeile, die den Weg markieren, dass wir in Richtung Osten auf kleine Wege abbiegen sollen. Schnell werden die Wege zu matschigen Pfaden und wir müssen unsere Fahrräder schieben. Wir kommen nicht besonders schnell voran, die Zeit läuft, schaffen wir es bei dem Tempo wirklich heute noch in Tangen anzukommen?

Idylle bei Fløyta

Am Holtdammen kommen wir dann wieder auf Schotterwege und fahren eine lange, leichte Steigung hinauf ins enge Holdtadle in Richtung Fløyta. Wir merken, dass wir so langsam die Wegen mit viel Betrieb verlassen, es sind keine Gebäude mehr zu sehen und auch sonst ist hier draußen heute keiner außer uns auf Tour, weder zu Fuß noch mit dem Fahrrad oder Auto.

Oben am Binnensee Fløyta haben wir eine schöne Aussicht über den See und die Wiesen drum rum. Kleine Nebelschwaden ziehen über die Wasseroberfläche. Auf dem idyllischen Rastplatz an der Nordseite des Sees machen wir eine wohlverdiente Essenspause. Hier gibt es auf der großen Wiese Bänke und Toiletten.

Rastplatz bei Fløyta: Foto Alex Schøller

Lange, schmale Pfade

Mit neuen Kräften brechen wir gespannt in Richtung Norden auf. Kurz nach Dorrsvangen zeigt die Karte an, dass es auf schmalen Pfaden weitergehen wird. Was wird uns dort wohl erwarten? Kurze Zeit später befinden wir uns in einem dichten Fichtenwald auf einem schmalen, feuchten Pfad zwischen Wurzeln, Farne, Mose, großen Pfützen und Heidekraut wieder. Hier ist ans Fahrradfahren nicht zu denken – als Entschädigung haben wir Zeit die zauberhafte Waldstimmung und die guten Gerüche um uns herum aufzunehmen. Es regnet und ist patschnass. Die winzigen Rieselbäche des Waldes sind im Regen zu hastigen Strömen angeschwollen, die lebhaft um uns herum fließen. Wir tragen flache Turnschuhe, aber an einem solchen Tag hätten wir uns lieber für Gummistiefel oder Wanderschuhe entscheiden sollen!

Schmale Pfade bei Stange almenning. Hier muss geschoben werden Foto: Øyvind Wold

Südlich von Lysjøen kommen wir an einen schönen, grasbedeckten Waldweg, eine der besten Bodentypen zum Radfahren und Wandern. Zur selben Zeit hört es auf zu regnen. Kurze Zeit später erreichen wir die Hütte Lysjøhimet. Die Hütte ist immer offen für Pilger und Wanderer, die eine Pause brauchen. Die Ausstattung ist einfach: Ofen, Tisch und Bänken, Lesestoff und ein Schlafraum mit Matratzen. Ein toller Ort, um sich auszuruhen, ob Pilger oder nicht.

Die Weggabelung am Lysjøen

Endlich oben am Lysjøen angekommen, müssen wir uns entscheiden. Wir sind vor vier Stunden losgefahren und haben nur 17 Kilometer hinter uns gebracht. Der Pilgerweg geht weiter über Granerud, Eriksrud, Romsetra und in fast 500 Meter Höhe östlich von Badstuberget. Das würde bedeuten fast eine Meile auf unbekannten Pfaden bergauf zu radeln. Mit den Fahrrädern lock das nicht besonders. Wir entscheiden uns lieber die alternative Route, Mjøstråkruta (Nationale Fahrradroute Nummer 7) von Lysjøen Richtung Norden nach Nilsberg zu nehmen.  

Es zeigt sich, dass auch die Mjøstråkk Route einige Steigungen zum Spitalweg aufzuweisen hat, aber von da an geht es ziemlich schnell auf flachen Waldwegen weiter in Richtung Nilsberg. Entlang des Weges liegen tausende von gerade gefällten Kiefern und Fichten in großen Stapeln und verbreiten einen wunderbar harzigen Duft.

Die letzte Etappe nach Tangen

Jetzt fehlt nur noch das Sahnehäubchen der Tour – die lange Abfahrt nach Espa auf gemütlichen Pfaden, teilweise direkt am Ufer des Mjøsa. Hier gibt es an vielen Stellen schöne Aussichtspunkte und der Weg ist eine Mischung aus Asphalt und Kies. Vom Verkehr auf der E6 merken wir nichts. Nach einem letzten Anstieg hinauf nach Korsødegården fahren wir auf gutem Asphalt bis zur Station in Tangen. Wir haben es geschafft!

Es ist immer nett nach einer langen Tour ein Nickerchen im Schatten zu halten Foto: Laila Haugen Trøen

Wir haben es ruhig angehen lassen, haben Pausen eingelegt oder haben die Fahrräder geschoben, wenn wir Lust dazu hatten. Letztendlich haben wir für die paar Meilen sechs Stunden gebraucht. Wir sind in guter Stimmung angekommen und waren genau im richtigen Maße müde und hungrig. Als rollende Test-Pilger haben wir diese Tour mit dem Gefühl etwas geschafft zu haben, dass vor uns noch nicht viele gemacht haben und mit tollen Natureindrücken, abgeschlossen. Obwohl die Route nur wenige Kilometer von der E6 entfernt ist, war die Tour trotzdem von Ruhe und Stille geprägt.   

Für wen eignet sich die Tour?

Die beschriebene Route ist 39 Kilometer lang und hat ungefähr eine Steigung von 800 Metern. Man könnte denken, dass die Route wegen der Steigungen sehr anspruchsvoll ist, aber wir haben uns Zeit gelassen, die Fahrräder geschoben wenn es nötig war und sind angekommen, obwohl die Tour für einige von uns die erste der Saison war. Es ist wohl keine Anfänger-Strecke, aber eine extrem-Tour ist es auch nicht.

Die Route eignet sich für etwas abenteuerlustige und sportliche Fahrradfahrer, die finden, dass Einsamkeit, Steigung, Pfade und unebener Untergrund, dem Tag einen besonderen Pfiff geben. Die Tour ist durchgehen gut mit Pfeilen und dem Pilgersymbol markiert und man muss sich nicht in der Region auskennen, um den richtigen Weg zu finden. Es ist trotzdem schlau eine Karte mit den eingezeichneten Wegen dabei zu haben, zum Beispiel die «Mjøsatråkk» Karte im Maßstab 1:100 000. Herausgeber sind das Bundesverkehrsamt (Statens veivesenet) zusammen mit den Flykeskommunen Akershus, Oppland und Hedmark.

Es sollte beachtet werden, dass es keine Geschäfte, Kioske oder Cafés auf dieser Strecke gibt. Genügend Flüssigkeit und eine Lunchpaket sollten auf jeden Fall mitgenommen werden. An der Shell-Tankstelle in Espa kann man Essen und Trinken kaufen, was einen Umweg von ungefähr einem halben Kilometer südlich des Pfades an der E6 entlang bedeutet.

Mögliche Verlängerung – Der Pfad in Richtung Hamar

Wenn man erst einmal nach Tangen gekommen ist, sind die fast 26 Kilometer von Stangen nach Hamar sehr viel einfacher zu fahren. Hier geht der Weg hauptsächlich über Schotter und Asphalt in Richtung Norden über Ekeberg, Store Re, Sakslund und Fjetre bis hinein ins Zentrum in Hamar.  

Der Weg nach Stangen Foto: Laila Haugen Trøen

Diese Etappe beginnt mit einigen leicht ansteigenden Waldstücken bevor es weiter in eine einfach befahrbare traditionsreiche Kulturlandschaft geht. Dort stehen einige von Østlands größten und schönsten Gehöfte.

Neben der Aussicht über den Mjøsa, sind die Kirche in Stangen und einige schöne Allen unter den Sehenswürdigkeiten. Man kann kleine Abstecher zu einigen Übernachtungsmöglichkeiten auf schönen Gehöften machen. Unter anderem Fokhol, Gillund, Staur und Fjetre.

Ekeberg Pilgerherberge Foto: Laila Haugen Trøen

Anmerkung: Es können längere Strecken zwischen den nächsten Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants liegen. Planen Sie das ein. In Eidsvoll und Tangen kann man sich mit dem nötigen Proviant eindecken. Wasser kann an Tankstellen und Kirchen entlang des Weges aufgefüllt werden.

 

Wichtig: Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass aufgrund des sehr variierenden Geländes, nicht der gesamte Gudbrandsdalsweg von Oslo nach Trondheim zum Fahrradfahren geeignet ist. Jedem abenteuerlustigen Fahrradfahrer, der eine Pilgerwanderung mit dem Fahrrad machen will, empfehlen wir daher die Fahrradroute Nummer 7 zu nehmen, die extra zu diesem Zweck vom Verkehrsministerium entwickelt wurde. Für mehr Information siehe:

http://www.cyclingnorway.no/en/national-cycle-routes/8/

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