Der Heilige Olav

Der Schrein des Heiligen Olavs im Nidarosdom war und ist ein wichtiges Pilgerziel für Pilger aus ganz Europa.

Der Norwegische König Olav Haraldsson II wurde 955 als Sohn eines Wikingerkönigs geboren. Norwegen bestand zu dieser Zeit aus mehreren kleinen Königreichen. Olav aber war ein Nachkomme Harald Schönhaars, dem ersten König Norwegens. Schon mit 12 Jahren wurde Olav ins Wikingerleben auf See eingeführt. Seine Mutter schickte ihn mit dem erfahrenen Wikinger Rane auf  Seefahrt. Rane wurde später ein wichtiger Lehrer für den jungen Olav.

Mit der Zeit wurde Olav zu einem erfolgreichen und berühmten Wikinger. So war er bei der Niederbrennung der London Bridge dabei, als der englische König Ethelred gegen den dänischen König Svein kämpfte, der die Stadt besetzt hatte. Der König Ethelred konnte sein Land zurückerobern und Olav wurde reich belohnt.

Als König hatte Olav Haraldsson viele wichtige Verbündete, unter ihnen den Herzog Richard II aus der Normandie. Als 19 Jähriger lebte Olav mehrere Monate auf Richards Hof in Rouen. Obwohl das Christentum schon an mehreren Stellen in Norwegen eingeführt worden war, und Olav schon von diesem neuen Glauben gehört hatte, wurde er erst in Rouen wirklich mit dem Christentum vertraut.  Es war der Bruder des Herzogs, der Erzbischof  Robert von Rouen, der ihn in die neue Religion einführte. 1014 lies sich Olav schließlich in Rouen taufen.

Mit der Vision ganz Norwegen als christliches Reich mit christlichen Gesetzen zu einen, kam er zurück nach Norwegen. Zwischen 1015 und 1016 wurde er vom Ting, einer Art demokratischen Wikingerversammlung, zum neuen König gewählt. Im Ting durften alle „freien Männer“ ihre Stimme abgeben. Als freie Männer galten alle, die Land und Besitzt hatten. Olav wurde als erster König von allen Grafschaften einstimmig gewählt. Zusammen mit der Unterstützung der Ting-Versammlung führte er nach seiner Wahl eine christliche Gesetzgebung ein, die 1024 endgültig durchgesetzt wurde.

In den 15 Jahren, die Olav König war, erhielt er viel Zustimmung für seine Christenmission. Es gab aber auch mächtige Männer, die Olav kritisch gegenüberstanden und sich mit dem dänischen König verbündeten. Die Grafen in Trøndelag, die eng mit dem dänischen König zusammenarbeiteten, waren gegen Olavs Herrschaftsform. 1028 musste Olav schließlich aus Norwegen fliehen. Er verbrachte einige Jahre am Hofe des russischen Großfürsten von Yroslav I in Nowgorod. Yroslav war nicht nur Olavs Schwager, sondern auch Ziehvater seines Sohnes, Magnus der Gute.

1030 hatte Olav einen Traum in dem er den Auftrag erhielt nach Norwegen zurückzukehren und für sein Land zu kämpfen. Kurz darauf machte er sich auf die Reise, die für ihn auf dem Schlachtfeld in Stiklestad am 29. Juli 1030 enden sollte. Der isländische Sagenschreiber Snorre Sturlasson schrieb die St. Olavssage, in der er über unglaubliche Wunder berichtetet, die auf dem Schlachtfeld und um die Grabstätte in Trondheim geschehen sein sollen.

Die Vermutung, dass Olav ein heiliger Mann sei, begann sich zu verbreiten und ein Jahr nach Olavs Begräbnis gelang es seinen Anhängern, den Bischof zur Öffnung des Grabes zu bewegen. Der Sage nach soll Olav ausgesehen haben als schliefe er. Sein Haar und seine Nägel hatten nicht aufgehört zu wachsen und seine Haut war frisch und rosig und ein wundervoller Duft soll von ihm ausgegangen sein. Daraufhin wurde der König 1031 als Märtyrer heiliggesprochen. Mehrere Relikte wurden in der Kirche in Trondheim verwahrt und sofort begannen Menschen zu diesem heiligen Ort zu pilgern.

1153 wurde der Erzbischofsitz in Trondheim vom Papst gegründet. Der neue Erzbischof Øystein begann schon im selben Jahr den Nidarosdom zu bauen. Er hatte in Frankreich und England studiert und war mit der Architektur europäischer Kathedralen vertraut. Er brachte das Wissen und die Steinmetze, die die Steine für den Dom bearbeiten sollten, mit nach Trondheim. Der Erzbischof Øystein spielte eine wichtige Rolle bei der Verehrung und Bekanntmachung des Heiligen Olavs. Er schrieb ein Buch über das Leben und die Wunder des Wikingerkönigs. „Passio et miracula beati Olavi“ wurde mehrfach abgeschrieben und in ganz Nordeuropa verbreitet. Heute noch kann man Douai, in Frankreich, und in Oxford, in England, alte Kopien des Buches sehen.